FAQ

Worin unterscheiden sich Ergotherapie und Physiotherapie (Krankengymnastik)?

Eine Abgrenzung der einzelnen Heilmittel wird bei gleichen Diagnosen durch die jeweils unterschiedlichen Ziele deutlich.:

Die Ergotherapie geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus, nicht Fertigkeiten soll der Patient erlangen, sondern Fähigkeiten. Das Erreichen der Handlungsfähigkeit im Alltag und Berufsleben steht im Vordergrund der ergotherapeutischen Zielsetzung. Bei der ergotherapeutischen Befundung müssen sicher auch Funktionsstörungen herausgefunden werden, aber im Vordergrund stehen die gestörten Handlungskompetenzen, die Fähigkeitenstörungen.

Dazu kann es durchaus notwendig sein, auch mal auf eine Einzelfertigkeit zu verzichten z. B. das Schreiben mit der gelähmten rechten Hand, wenn das Endziel z. B. die Wiedereingliederung in die Familie erreicht werden konnte.

Steht die Motorik als solche im Vordergrund, ist sicher eine physiotherapeutische Behandlung indiziert. Hier werden gezielt funktionelle Einschränkungen an der betroffenen Stelle, z.B. an einem verletzten Muskel behandelt.

Ist das Problem des Patienten eher eine Fähigkeitsstörung in z.B. in der Selbstversorgung, die natürlich mit mangelnden Bewegungsmöglichkeiten einhergeht, ist Ergotherapie indiziert. Bereiche wie z.B. die Tonusregulierung, die Rumpfstabilität, die Bewegungskoordination werden dabei sicher nie Therapieziel sein, sondern nur Mittel zum Zweck.

Wie lange dauert die Ergotherapie?

Das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vom Ausmaß der Störungen ab. Manchmal ist eine Behandlungsreihe innerhalb 2 –3 Monaten ausreichend, manchmal geht die Behandlung über ein Jahr und länger.

Könnte man nicht mehrmals in der Woche, z.B. in den Ferien ET bekommen?

Der Mensch ist ein höchst kompliziertes Netzwerk aus vielen Nervenbahnen. Bei Veränderungen in diesem komplexen System muss der gesamte Organismus sich an die neu erworbenen Fähigkeiten anpassen. Größere Umstrukturierungen brauchen ihre Zeit, sonst besteht die Gefahr, dass man wieder in die alten, gewohnten Mustern zurückfällt.

Deswegen macht es Sinn, die Behandlung über mehrer Wochen oder sogar Monate durchzuführen.

Gibt es eine Altersbegrenzung für die SI- Therapie?

In den ersten Lebensjahren ist die SI- Therapie besonders effektiv, da das zentrale Nervensystem beim jungen Menschen noch in besonderem Maße plastisch und formbar ist.

Je älter ein Mensch ist, je mehr nimmt diese Fähigkeit ab. Je länger die Störungen unbehandelt bleiben, desto eher werden diese möglicherweise von Vermeidungsstrategien, Kompensationen und Verhaltensproblemen überlagert. Das erschwert die Diagnostik und kann den therapeutischen Prozess verlängern.

Eltern können mit ihren Kinder zuhause doch auch spielen, wozu dann Ergotherapie?

Es ist sicherlich wichtig und sinnvoll, dass Eltern viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Ergotherapeuten sind jedoch darin geschult, bei bestimmten Störungen gezielt Material und Tätigkeiten einzusetzen, welche effektiv die Entwicklung und Wahrnehmung fördern. Weiterhin verfügt eine ergotherapeutische Praxis über ein sehr vielfältiges Material und Spielangeboten, welche ein Privathaushalt meistens nicht anbieten kann. Diese ermöglichen es dem Kind, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch sehr unterschiedliche Tätigkeiten zu erlernen, miteinander zu vernetzen und Handlungskompetenz entwickeln kann.

Wann wird Ergotherapie verordnet?

Der behandelnde Haus- oder Facharzt verordnet Ergotherapie, wenn eine entsprechende Indikation im Sinne einer klaren Diagnose besteht. In der Pädiatrie können Kinder auch zur Abklärung bei einem bestehendem Verdacht (z.B. Entwicklungsverzögerung) eine Verordnung bekommen.

Wer kann ergotherapeutisch behandelt werden?

Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit

  • Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung
  • Entwicklungsverzögerungen im körperliche, geistigen, sozialen oder seelischen Bereich
  • Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörungen
  • körperlichen und geistigen Behinderungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Einschränkungen in der Grob- und Feinmotorik
  • Lernschwierigkeiten/ Problemen im Schulalltag Teilleistungsstörungen
  • Verhaltensauffälligkeiten (z.B. übermäßiger Aggression, Ängsten, Kontaktschwierigkeiten)
  • Schwierigkeiten in der Handlungsplanung

Erwachsene mit

  • Erkrankungen des Zentralnervensystems, z.B. nach Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multipler Sklerose
  • Unfallfolgen, wie z.B. Schädelhirntraumen, Rückenmarksläsionen, peripheren Lähmungen
  • Schädigungen des facio- oralen Traktes
  • Alzheimer und Demenz
  • Aufmerksamkeits-, Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Schwierigkeiten im lebenspraktischen Bereich, wie z.B. Körperpflege, An- und Ausziehen, Hausarbeiten
  • AD(H)S- Erkrankung

Wie verläuft eine ergotherapeutische Behandlung

Die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch, d.h. es wird über die spezielle Krankheitsvorgeschichte des Patienten und die aktuelle Alltagssituation gesprochen. Anschließend erfolgt die Untersuchung des Patienten. Hierbei werden u.a. gezielte Beobachtungen und spezielle Tests eingesetzt.

Die Untersuchungen ergeben einen Befund, auf dessen Basis der behandelnde Therapeut zusammen mit dem Patienten und ggf. mit dessen Angehörigen die Therapieziele festlegt. Ein individueller Behandlungsplan wird ausgearbeitet und die entsprechenden Behandlungsmethoden und Medien werden ausgewählt.

Für eine effektive Therapie kann es von Bedeutung sein, nach Absprache mit dem Patienten die therapeutische Arbeit mit seinen anderen Bezugspersonen und Kollegen der angrenzenden Berufe (z.B. ErzieherInnen, LehrerInnen, Pflegedienste, Psychologen, Logopäden...) abzustimmen.

Während der Behandlung werden die Ziele und somit der Behandlungsplan und – methoden ständig überprüft und an den aktuellen Fähig- und Fertigkeiten des Patienten angepasst und ggf. geändert werden.

Im Normalfall ist eine 45- minütige Therapieeinheit pro Woche die Regel.

Die Behandlung gilt als abgeschlossen, wenn die vereinbarten Behandlungsziele erreicht wurden und der Patient erweiterte Handlungskompetenzen erworben hat. Dieses Ziel kann auch erreicht sein, wenn der Patient es gelernt hat, mit seinen Defiziten umzugehen, ohne dass alle früheren Fertigkeiten wieder erlangt wurden.

Infos zu den Heilmittelrichtlinien (HMR)

Die Heilmittel-Richtlinien (HMR) regeln, in welchem Umfang und für welche Krankheiten ein Arzt Ergotherapie verordnen darf. Es folgen einige Hinweise zu den HMR) (Stand 1. Juli 2004):

Eine Behandlung kann erst dann stattfinden, wenn ein gültiges Rezept vorliegt. Dies bedeutet, dass das Ausstellungsdatum auf dem Rezept nicht älter als 14 Tage alt sein darf.

Ein Rezept muss auch dann vorliegen, wenn dies ein Folgerezept ist und der Patient schon in der Praxis war. Damit es im Therapieablauf nicht zu Verzögerungen kommt, ist es sinnvoll, sich das neue Folgerezept rechtzeitig zu bestellen, am besten 2 oder 3 Behandlungen vor der letzten Behandlungseinheit des aktuellen Rezepts. So bleibt genügend Zeit, falls der Arzt sich über die Notwendigkeit eines Folgenrezepts persönlich überzeugen möchte.

Wenn die maximale Anzahl der vorgesehenen Behandlungen erreicht sind (40 bei Erwachsenen oder 60 Behandlungen bei Kindern), kann der Arzt eine Behandlung außerhalb des Regelfalls ausstellen. Dies bedeutet für die Mitglieder der AOK, BKK, IKK oder der Bundesknappschaft, dass sich diese die Behandlungen "außerhalb des Regelfalls" von ihrer jeweiligen Krankenkasse genehmigen lassen müssen. Wir können die Behandlungen erst dann durchführen, wenn uns diese Genehmigung vorliegt.